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FNG - Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V.

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„Finanzmärkte als ein Instrument für gerechtes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum nutzen“ // 04.04.2017

Am 3. und 4. Mai findet in Zürich der Responsible Finance and Investment Summit statt – organisiert von der RFI Foundation und dem Swiss Arab Network. Inhaltlich geht es vor allem um Nachhaltige Geldanlagen und Islamic Finance. Warum es so wichtig ist, über dieses Thema zu debattieren und vor allem Möglichkeiten der Kooperation und des gemeinsamen Voranschreitens auszuloten, erklären die vier maßgeblichen Initiatoren der Konferenz im Interview mit dem FNG:

•    Blake Goud, CEO RFI Foundation
•    Mounir Khouzami, President and Co-Founder of the Swiss Arab Network
•    Omar Lahyani, Executive Board Member, Advisor und Co-Founder
•    Biagio Zoccolillo, Executive Board Member und Advisor

1.    Aus welchem Grund haben Sie sich mit Islamic Finance und mit Nachhaltigen Geldanlagen befasst?

Was uns am meisten an Islamic Finance begeisterte, war das ehrliche Interesse an sozialer Wohlfahrt und deren Verbesserung. Als wir uns anfänglich hiermit auseinander setzten, waren wir uns zwar auch der Geschichte Nachhaltiger Geldanlagen bewusst. Dennoch befassen wir uns trotz dieser offensichtlichen Parallelen erst seit kürzerem mit dem Thema. Allerdings zeigt sich ganz deutlich: Je mehr wir darüber lernen, desto mehr Gemeinsamkeiten entdecken wir.

2.    Wie gerade von Ihnen angedeutet – Islamic Finance und Nachhaltige Geldanlagen haben viel gemeinsam: Beide zeigen starke Wachstumsraten, berücksichtigen nicht-finanzielle Kriterien, werden als Anlagen angesehen, die der Finanzkrise widerstanden haben, und sind als Beitrag zum Risiko-Management anerkannt. Inwiefern befruchten sich Islamic Finance und Nachhaltige Geldanlagen?

Das fehlende Bewusstsein über die Gemeinsamkeiten von Nachhaltigen Gelanlagen und Islamic Finance ist einer der Hauptgründe, weshalb wir uns dazu entschlossen haben, den Responsible Finance & Investment Summit in Zürich zu organisieren. Die Herausforderungen, mit der sich beide bei der Entwicklung ihrer Märkte  konfrontiert sehen, sind in ihrem Status als Nischenmarkt vor rund zehn Jahren begründet. Dann hat die Finanzkrise als Katalysator dafür gewirkt, traditionelle Ansätze der Finanzbranche zu überdenken. Denn kurzfristige finanzielle Kalkulationen ohne Berücksichtigung ihrer weiteren Wirkung hatten desaströse Konsequenzen für die Wirtschaft.

Nachhaltige Geldanlagen sind heute – mit ihren vielen unterschiedlichen Ansätzen – sehr ausgereift und tragen dazu bei, die Finanzmärkte und deren Institutionen als ein Instrument für gerechtes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu nutzen. Wenn nachhaltige Investments dazu beitragen sollen, die Wirtschaft zu verbessern und eine lebenswertere Zukunft zu schaffen, müssen sie sich – auf Basis gemeinsamer, universeller Werte – mit allen verfügbaren Ansätzen befassen. Dies schließt Socially Responsible Investment, ESG, Impact Investment und Islamic Finance ein.

3.    Was sind nun im Gegenteil etwaige Unterschiede zwischen Islamic Finance und Nachhaltigen Geldanlagen?

Es gibt sicherlich Unterschiede, vor allem im praktischen Vorgehen. Einige sind strukturell bedingt. So ist Islamic Finance eher von Banken geprägt und Nachhaltige Geldanlagen sind stark im Asset Management verwurzelt. Andere Verschiedenheiten beruhen auf den jeweils unterschiedlichen geographischen Regionen, in denen die Geschäftstätigkeiten stattfinden. Mit Blick auf Fragen von Hebeleffekten (Leverage) beispielsweise – ein Bereich, in dem Islamic Finance tendenziell restriktiver vorgeht – bieten sich Möglichkeiten, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen.

4.    Erleben Sie, dass Investoren aus anderen als religiösen Gründen Islamic Finance bevorzugen, etwa aufgrund ethischer Werte, die nicht auf dem Islam basieren, um von Vorteilen im Bereich Risiko-Management zu profitieren oder wegen finanzieller Chancen?

Der Islamic Finance zugrunde liegende ethische Anspruch entfaltet Strahlkraft weit über Muslime hinaus. Uns selbst haben die Prinzipien überzeugt, da sie mit unseren eigenen übereinstimmen. Denn es geht hier um Fragen zur Rolle der Finanzbranche, wessen Interessen sie schützen und welche Ziele sie verfolgen sollte.

Doch nicht jeder wird sich aus ethischen Gründen für Islamic Finance entscheiden – messbare Wirkungen sind ebenfalls wichtig. Und in diesem Bereich sind einige Entwicklungen wirklich ermutigend. Zum Beispiel hat der Internationale Währungsfonds (IWF) Islamic Finance in seinen Vorstandssitzungen erstmals offiziell erörtert. Christine Lagarde, geschäftsführende Direktorin des IWF, macht sich seit langem für die Vorteile von Islamic Finance im Bereich der finanziellen Inklusion und mit Blick auf dessen unterstützende Rolle für finanzielle Stabilität stark. Vor einiger Zeit hat die Weltbank einen Bericht veröffentlicht, der die Rolle von Islamic Finance mit Blick auf die UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) hervorhebt und Überlegungen enthält, wie dieser Beitrag gesteigert und stärker genutzt werden kann.

5.    Was ist, könnte oder sollte Ihrer Auffassung nach der Beitrag von Islamic Finance mit Blick auf globale Herausforderungen wie Klimawandel, Armut und Wirtschaftskrisen sein?

Islamic Finance hat hinsichtlich dieser Herausforderungen eine wichtige Rolle, da diese eng mit den Kernwerten der ökologischen Nachhaltigkeit zusammenhängen und dadurch auch mit Themen wie ein ausgeglichenes Wachstum und die Verbesserung der Wohlfahrt der Menschheit. Aber es kann von Islamic Finance nicht erwartet werden, all diese Probleme allein anzugehen. Um nur das Beispiel Klimawandel zu nennen: Die Ausmaße des Problems sind so groß, dass es nur mit Millionen unabhängig voneinander gefällten, aber von einem gemeinsamen Ziel geleiteten Entscheidungen bewältigt werden kann.

Der Beitrag der RFI Foundation und des RFI Summit ist es, zu zeigen, dass die Verbindung zwischen verschiedenen Bereichen nachhaltiger Investments nicht so stark sind wie sie sein müssten, damit gemeinsame Werte in effektives Handeln übersetzt werden können. Der Zeitpunkt ist gerade jetzt besonders günstig, weil nun die meisten Länder inklusive der arabischen Welt mit an Bord sind, um gemeinsam das Problem des Klimawandels anzugehen. Es ist also eine Notwendigkeit, sicherzustellen, dass die nachhaltige Finanzindustrie alle Möglichkeiten der Kooperation für das gemeinsame Ziel eines gerechten, inklusiven und nachhaltigen Wachstums auslotet.

Das Interview führte Gesa Vögele.


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