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FNG - Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V.

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Rückblick FNG-Dialog 2019 // 11.06.2019

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Hier finden Sie erste Impressionen zum FNG-Dialog 2019 in der Berliner Kalkscheune.

Zum vierzehnten Mal präsentierte das FNG - Forum Nachhaltige Geldanlagen am 3. Juni 2019 den Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2019 - Deutschland, Österreich und die Schweiz in Berlin. Trotz Hitzewarnung erfreute sich das FNG über ein zahlreiches Erscheinen.  Die Teilnehmer konnten durch ausreichende Wasserzufuhr auch bei anregenden politischen und wissenschaftlichen Debatten einen kühlen und klaren Kopf behalten.

Volker Weber, Vorstandsvorsitzender des FNG, begrüßte die knapp 200 Besucher aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Ökologische und soziale Faktoren spielen zwar bereits eine bedeutende Rolle in der Konsumgüterwirtschaft, Nachhaltigkeit in der Geldanlage ist hingegen vielen, insbesondere Privatanlegern, noch fremd. Dennoch ist ein Wandel zu beobachten, wodurch Nachhaltigkeit zunehmend in den Mainstream der Finanzmärkte drängt. Das FNG begleitet und gestaltet diese Entwicklung seit nunmehr 18 Jahren aktiv mit, fordert Transparenz und Qualität und ist Stimme und Netzwerk der nachhaltigen Finanzbranche.

Vorstellung des aktuellen Marktberichts

Dass soziale und ökologische Faktoren zunehmend eine zentrale Rolle im konventionellen Finanzgeschäft spielen, zeigten die diesjährigen Auswertungen des nachhaltigen Anlagemarktes. So resümierten die FNG-Geschäftsführerinnen Claudia Tober und Angela McClellan, dass der Markt für Nachhaltige Geldanlagen und verantwortliche Investments durch eine bis dahin nicht gekannte Dynamik gekennzeichnet ist. Nachhaltige Geldanlagen, die unter strengen umweltbezogenen, sozialen und auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung bezogenen Kriterien auf Produktebene verwaltet werden, erreichten mit 219 Milliarden Euro einen neuen Höchststand und legten um 45 Prozent zum Vorjahr zu. Ein genauer Blick auf diese Nachhaltigen Geldanlagen zeigt, dass das Volumen nachhaltiger Investmentfonds und nachhaltig verwalteter Mandate mit 133,5 Milliarden Euro einen Marktanteil von 4,5 Prozent ausmacht. Verantwortliche Investments hingegen, bei denen die Nachhaltigkeitskriterien auf institutioneller Ebene festgelegt sind, summieren sich in Deutschland auf 1,5 Billionen Euro. Die präsentierten Grafiken machten deutlich, dass das Wachstum im Markt der Nachhaltigen Geldanlagen maßgeblich von institutionellen Investoren getrieben wird. Um einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des nachhaltigen Anlagemarktes zu erhalten, erbat das FNG von zentralen Teilnehmern der DACH-Region eine Prognose: Die Hälfte der Antwortgeber erwarten demnach bis 2020 ein Wachstum des Marktes von über 15%, wobei die starke Nachfrage institutioneller Investoren, Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen und an letzter Stelle die vermehrte Nachfrage von Privatanlegern als Schlüsselfaktoren für zukünftiges Wachstum angegeben wurden. Nun liegt es an der Politik, den privaten Anleger zu erreichen. Die Weichen hierfür wurden mit dem EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums gestellt. Das FNG erwartet, dass vor allem die verpflichtende Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen in der Anlageberatung einen signifikanten Einfluss auf das Anlageverhalten von Privatanlegern haben wird:  Mehrere Studien belegen, dass die Mehrheit der Privatanleger ihr Geld lieber nachhaltig investieren würde, dies aber u.a. an Hemmnissen im Beratungsgespräch scheitert.

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Ein weiterer großer Trend ist das steigende Bewusstsein für Klimarisiken und -wandel. Kohle als Ausschlusskriterium legte im Jahr 2018 in der gesamten DACH-Region eine wahre Karriere hin (erstmals in den Top Ten in Deutschland, auf Platz eins in Österreich und auf Platz 6 in der Schweiz). Die Wirkungsorientierung von Investments auf eine nachhaltige Entwicklung werde zunehmend in den Mittelpunkt rücken. Durch die Umsetzung der EU-Offenlegungspflichten in Bezug auf Nachhaltigkeit für Asset Manager und Asset Owner werden verantwortliche Investments zunehmend den Mainstream bestimmen.

Keynote von Prof. Schellnhuber

In der Zwischenzeit kletterte das Thermometer auf über 32°C. Warum dies kein alltägliches, belangloses Phänomen ist, erklärte Herr Professor Schellnhuber, Gründer des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung. Schellnhuber über Nachhaltigkeit: „Nachhaltigkeit ist mehr als die Lösung des Klimaproblems. Allerdings brauchen wir ohne die Lösung des Klimaproblems nicht über andere Nachhaltigkeitsbereiche nachzudenken.“ Dass das Klima seit der industriellen Revolution aus den Fugen gerät und von Menschenhand gemacht ist, erklärte er eindrücklich anhand von Korrelationen, Temperaturrekonstruktionen und der drohenden Instabilität durch sogenannte Kippelemente im Erdsystem, was zu weitreichenden Konsequenzen führt. Denn wenn ein Element „kippt“, löst es eine unaufhaltsame Kettenreaktion aus, mit drastischen und irreversiblen Folgen für das Ökosystem. Dies passiere womöglich selbst dann, wenn das Klimaziel von 2 Grad eingehalten wird. Es sei deshalb notwendig, die „Goldgräberökonomie“ zu beenden. Nachhaltigkeit in der Finanzanlage und ein nachhaltiges Finanzsystem können einen entscheidenden Beitrag zur Umgestaltung unseres derzeit extraktiven Wirtschaftssystems leisten.

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Podiumsdiskussion

Die an die Mittagspause anschließende Podiumsdiskussion wurde von Susanne Bergius, der Herausgeberin des Handelsblatt Business Briefing Nachhaltiges Investment und langjährigen Journalistin und Moderatorin für nachhaltiges Wirtschaften und Investieren, moderiert. Im Fokus der Diskussion standen der EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums und die Frage, ob er zu mehr Nachhaltigkeit auf den Finanzmärkten beitragen wird. Um der Frage auf den Grund zu gehen, lud das FNG unterschiedliche Experten aus Finanzwelt, Politik und Zivilgesellschaft ein: Matthias Kopp vom WWF Deutschland, Marion Krimmel von der DWS, Dr. Henrik Pontzen von Union Investment, Dr. Nicole Röttmer von PwC und Yvonne Zwick vom Rat für Nachhaltige Entwicklung. Nachhaltigkeit muss auch die Finanzmärkte erreichen und der EU-Aktionsplan wird begrüßt, so der allgemeine Tenor. Jedoch zeigten sich Dissonanzen in den Meinungen, wie und in welchem Umfang der Prozess angetrieben werden muss. Frau Röttmer betonte, dass der EU-Aktionsplan insofern ein Novum sei, als dass die Kommission möchte, dass sich die Art und Weise unseres Wirtschaftens verändert. Dafür stelle sie aktiv die Weichen in der Realwirtschaft und in der Finanzwirtschaft. Die wichtige Frage der Testierbarkeit qualitativer Nachhaltigkeitsberichterstattung erfordere weitere Debatten. Auch Herr Kopp betonte, dass durch den EU-Aktionsplan eine qualitative Veränderung in der allgemeinen Wahrnehmung für das Thema Sustainable Finance stattfindet, da nun eine andere Sichtbarkeit und Klarheit geschaffen wird. Jedoch betonte er auch, dass Deutschland im internationalen Vergleich schlechter abschneide, da an bestimmten Stellen die Grundpfeiler noch nicht besprochen würden. Daher wünsche er sich eine weitere Debatte, um auch im Bereich Sustainable Finance innovativ sein zu können. In diesem Kontext ergriff Frau Krimmel das Wort und gab einen kleinen Einblick in den Alltag eines/r Portfoliomanagers/in bei der DWS: Hier sei die CO2-Porfoliomessung sowie die Analyse von ESG-Kriterien schon Bestandteil des Arbeitsalltags. Herr Dr. Pontzen erläuterte in diesem Zusammenhang, dass auch in seinem Hause die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien eine grundlegende Rolle spiele, auch bei konventionellen Anlagen, aus reiner Risikobetrachtung. Zudem hängen Bonuszahlungen der Portfoliomanager auch vom Engagement hinsichtlich des Einsatzes für die nachhaltige Gestaltung der Portfolien ab. So betonten sowohl Frau Krimmel als auch Herr Dr. Pontzen, dass Investitionsentscheidungen persönliche Entscheidungen seien und keinem Nachhaltigkeitszwang unterstellt werden dürften, was jedoch der verpflichtenden Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen in der Anlageberatung keineswegs im Wege stehe. Vielmehr müssen hierfür die richtigen Rahmenbedingungen, wie bspw. eine weitergehende Schulung der Mitarbeiter bezüglich Nachhaltigkeit und einheitliche Standards geschaffen werden.

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Zudem teilte Frau Zwick ihre Beobachtungen zu den Veränderungen in der Berichterstattung der Marktakteure seit dem Anstoß des EU-Aktionsplans: Sie bemerkte, dass Akteure, die zuvor aktiv und eigeninitiativ die Berichterstattung über den Deutschen Nachhaltigkeitskodex nutzten, weiterhin großen Wert auf die Offenlegung ihrer ESG-Kriterien legen. Aus ihrer Sicht sei das Abwarten der EU-Beschlüsse zu einer Definition von nachhaltigem Investment ein schwaches Argument dafür, sich als Mainstream-Akteur noch nicht mit dem Thema der nachhaltigen Finanzen auseinanderzusetzen. Gerade das Fragen stellen, die Diskussion und das Offenlegen von Motiven und Herangehensweisen tragen maßgeblich zu einer Transparenz und Glaubwürdigkeit des Themas bei.

Politische Impulse

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Der Podiumsdiskussion folgten politische Impulse von Frau Nilgün Parker, Referatsleiterin Umwelt und Wirtschaft, nachhaltige Finanzpolitik im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, sowie von Frau Lisa Paus, der finanzpolitischen Sprecherin von B90/Die Grünen im Deutschen Bundestag. Trotz der erdrückenden Hitze brachte Frau Parker die Kreisläufe der Gäste wieder in Schwung: Sustainable Finance ist für das BMU von höchster Wichtigkeit, erklärte Frau Parker. Es sei der allgemeine Konsens des BMU, dass Klimaschutz und die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele nicht mehr mit den klassischen Klimainstrumenten bewerkstelligt werden können und die daraus hervorgehenden Risiken nicht länger vergemeinschaftet werden können. Umwelt und Klimaschutz sei im 21. Jahrhundert Finanzpolitik – denn die Investitionen von heute sind die Infrastrukturen von morgen. Dabei mahnte sie, dass beim Fokus auf ökologische Aspekte, die sozialen Kriterien sowie der Aspekt guter Unternehmensführung nicht außer Acht gelassen werden dürfe. Zudem machte sie auf den neu gegründeten Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung aufmerksam, dem auch das FNG angehört. Der Beirat setzt sich aus Vertretern der Finanzwirtschaft, Realwirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen und hat das Ziel die Bundesregierung bei der Entwicklung einer Sustainable Finance-Strategie für Deutschland zu unterstützen sowie bestehende Expertise zu bündeln und den Dialog zwischen den relevanten Akteuren zu fördern.

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Bis zuletzt nahm der Spannungsbogen nicht ab: Frau Paus zeigt sich erfreut darüber, dass das Thema Klima endlich als Finanzrisiko wahrgenommen wird. Sie verwies auf den Risikobericht des Weltwirtschaftsforums. Dieser zeigt, dass sich unter den fünf Risiken mit den größten Auswirkungen auf unsere Gesellschaft neben Massenvernichtungswaffen eben auch vier Klimarisiken befinden: Wasserknappheit, extreme Wetterbedingungen, Naturkatastrophen und fehlender Klimaschutz. Frau Paus erklärte, wie aus „grüner Sicht“ mit einem 7-Punkte-Plan vorgegangen werden sollte. (1) Krisenfestere Märkte seien nur zu erreichen, wenn Klimarisiken transparent gemacht und explizit berücksichtigt werden. (2) Dabei dürfe es keine Verringerung von Eigenkapitalvorschriften geben. (3) Auch Spekulations- und Klagerisiken sollen im Risikomanagement berücksichtigt werden. (4) Die Taxonomie sei ein wichtiger Bestandteil des EU-Aktionsplans und werde begrüßt. (5) Auch wenn es wichtig ist, den ökologischen Aspekt in Finanzanlagen zu beachten, dürften nicht die sozialen Faktoren und die gute Unternehmensführung vernachlässigt werden. (6) Das EU-Label für grüne Finanzprodukte müsse eingeführt werden. Zudem müsse die Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen unbedingt in die Anlageberatung integriert werden. (7) Ein wichtiger Schritt seien die neuen Offenlegungspflichten und die grünen Benchmarks.

Zum Ausklang fanden sich alle Teilnehmer noch an den Informationsständen unserer Sponsoren und im kühlen Hof ein, um die vielfältigen Eindrücke und Impulse des Tages zu diskutieren.

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Sponsoren & Unterstützer

Der FNG-Marktbericht ist mit der Unterstützung von engagierten Verbandsmitgliedern erstellt worden. Wir danken dafür unseren Sponsoren und Unterstützern:

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