Grußwort zum Jubiläum
von Robert Haßler
Robert Haßler, Mitgründer des FNG
Herzlichen Glückwunsch zum 25. Jubiläum, liebes Forum Nachhaltige Geldanlagen! Ich war damals bei der Gründung dabei und dann viele Jahre im Vorstand – lassen Sie mich kurz reflektieren.
Im Jahr 2001 war der Markt für Nachhaltige Investments winzig klein. Gemäß einer Marktuntersuchung des Ökozentrum NRW im Auftrag der Messegesellschaft Berlin war das Volumen der in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Ökologie- und Nachhaltigkeitsfonds im November 2000 bei drei Mrd. DM – ein Bruchteil des heutigen Wertes. Der Markt war geprägt durch die mutigen Aktivitäten einzelner Pioniere mit der gemeinsamen Vision, die enorme Hebelwirkung des Kapitalmarkts zu nutzen, um Nachhaltigkeit in die Investitionsentscheidungen zu integrieren und damit einen signifikanten Beitrag zur Nachhaltigkeitstransformation der Wirtschaft zu leisten.
Einige dieser Pioniere schlossen sich zusammen, um das Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V. zu gründen mit dem Ziel, dem Markt ein gewisses Maß an Institutionalisierung zu geben, Aufklärung und Marketing zu betreiben wie auch politisches Lobbying. Doch so viel aktives Lobbying war erst mal gar nicht nötig. Die politischen Rahmenbedingungen waren günstig – in 2000 wurde das Erneuerbare Energien Gesetz durch die amtierende rot-grüne Koalition beschlossen und im Mai 2001 kam ein neues Altersvermögensgesetz, das Anbieter von privaten und betrieblichen Altersvorsorgeprodukten verpflichtete, schriftlich darüber zu informieren, ob und wie ethische, soziale und ökologische Kriterien bei der Kapitalanlage berücksichtigt werden. Eine erste Form der SFDR, allerdings mit negativen Auswirkungen wie sich in den Folgejahren herausstellt: denn das „ob“ wurde in der Regel mit „nein“ beantwortet, wodurch das Thema dann erledigt war. So schnell ging es dann also doch nicht.
Dass sich der Markt für Nachhaltiges Investment in den Folgejahren dennoch hervorragend entwickelt hat – und zwar nicht nur in Deutschland sondern weltweit – hatte dann auch weniger mit Regulatorik zu tun als primär mit einer guten finanziellen Performance nachhaltiger Investments. Diverse große wissenschaftliche Metastudien haben einen neutralen bis positiven Zusammenhang zwischen finanzieller und Nachhaltigkeits-Performance bestätigt. ESG wurde zum Trend, die Wachstumszahlen waren beeindruckend, die einstige Nische wurde zum Mainstream. 2015 gab es mit der Einführung der UN SDGs und der Einigung auf das Paris Klimaziel noch einmal Schützenhilfe im globalen Maßstab.
Die Vielschichtigkeit des Themas Nachhaltigkeit und die verschiedenen Ziele, die mit Nachhaltigem Investment verbunden sind (Risikovermeidung, Performance, Impact), führten über die Zeit zu einer Vielzahl von Strategien wie Ausschlusskriterien, Best in Class, Engagement, Divestment, Impact, Klima- und Biodiversitätsfokus und einiges mehr. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen hat es geschafft, vor allem mit dem jährlichen Marktbericht und dem FNG-Siegel dem Markt eine zentrale Orientierung zu geben. Das ist eine bedeutende Leistung und auf die kann das FNG stolz sein!
2001 bei der Gründung des FNG hätten wir niemals erwartet, dass der Markt für Nachhaltiges Investment sich so dynamisch entwickelt, auch nicht mit einem Deutschen Sustainable Finance Beirat, geschweige denn mit einer Europäischen Sustainable Finance Strategie und Regulierung. Auch wenn momentan in gewisser Hinsicht die Pausetaste gedrückt ist und das Thema Nachhaltigkeit in Anbetracht anderer großer globaler Herausforderungen nach hinten gedrängt wurde, ist die Sinnhaftigkeit und der Nutzen des Nachhaltigen Investments weiterhin unbestritten. In manchen Bereichen der Investmentcommunity ist ESG bereits voll integrierter Bestandteil der Investmententscheidungen, ohne dass das Etikett Nachhaltigkeit zwangsweise auf dem Produkt kleben muss. Dennoch gibt es noch viel zu tun: ähnlich wie vor 25 Jahren führt eine gut gemeinte aber schlecht ausgeführte Regulierung nicht unbedingt zum erwünschten Effekt. Technologischer Fortschritt und gesellschaftliche Veränderungen müssen regelmäßig auf ihre Kompatibilität mit Nachhaltigkeit geprüft werden. Und Nachhaltiges Investment braucht weiterhin eine starke Lobbyorganisation, vielleicht sogar jetzt mehr denn je.
Große Transformationen verlaufen nicht linear, Gegenbewegungen gehören genauso dazu wie Übertreibungen. In diesem Sinne wünsche ich dem FNG, seinem Vorstand und allen Mitgliedern Zuversicht, Mut und Geschick, unser Herzensthema weiter erfolgreich voranzutreiben.